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Psychotherapie rund um die Geburt

Dieser Artikel erschien erstmals in der Verbandszeitschrift des Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.

Rund um die Geburt eines Menschen geschieht nicht nur auf physischer Ebene Überwältigendes – auch auf seelischer Ebene findet eine Entwicklung statt, die der körperlichen um nichts nachsteht.

„Schwangerschaft ist keine Krankheit!“ Diesen Satz haben wohl die meisten Schwangeren schon gehört. Er impliziert: „Nimm mit deiner Schwangerschaft doch bitte keinen Raum ein!“ Kein Wunder also, dass in der breiten Öffentlichkeit lediglich Themen wie Übelkeit, Essensgelüste und medizinische Parameter relevant sind. Schwangerschaft bzw. Mutter oder Vater zu werden ist jedoch ein körperlicher, geistiger und seelischer Prozess.

Leider wird diesem seelischen Aspekt nach wie vor sehr wenig Beachtung geschenkt, obgleich er für eine positive Geburtserfahrung und einen guten Start ins Leben des Kindes grundlegend ist. Im Gegenteil, oft fühlen sich Eltern unter Druck, dankbar und glücklich sein zu müssen, und schämen sich ihrer tatsächlichen Gefühle, die dann mitunter verdrängt und nicht weiter verarbeitet werden.

Die bevorstehende Geburt eines Kindes löst bei den meisten Menschen Fragen, Sorgen und Ängste aus. Die eigenen Erfahrungen der Kindheit werden neu beleuchtet und häufig ist eine Schwangerschaft Anlass, dass emotional behaftete Themen oder Konflikte der Herkunftsfamilie sichtbar und vielleicht auch aus einem neuen Blickwinkel betrachtet werden.

Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Elternrolle und die Sorge, dieser nicht gerecht werden zu können, gehören dazu.

Eine Schwangerschaft, so sehr sie auch gewünscht ist, braucht Raum, in dem alles sein darf. Sie braucht Schutz vor Parametern, Erwartungen, Belastungen, vor einer Flut an Ratschlägen und Meinungen, damit die Entwicklungsschritte gegangen werden können und somit auch der Start in die eigene oder erweiterte Familie gut gelingt.

Psychotherapie rund um die Geburt kann diese inneren Prozesse sinnvoll unterstützen und eine Ergänzung zur Geburtsvorbereitung sein, die wichtige Voraussetzungen für die Bindung zwischen Eltern und Kind schafft.

In der fortgeschrittenen Schwangerschaft stellen sich Fragen und Sorgen in Bezug auf die Geburt ein, die oftmals wenig aufgefangen werden, und, sind sie ungeklärt, nicht unwesentlich zu einer schwierigen Geburt beitragen können. Manchmal brechen auch unbearbeitete Ängste aus vorausgegangenen traumatischen Geburten und sogar der eigenen Geburt an dieser Stelle aus.

Der Fokus einer geburtsvorbereitenden Psychotherapie liegt auf der Stabilisierung, aber auch auf der Sensibilisierung für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, der Begleitung in die Freude, Eigenverantwortung und Selbstermächtigung. Therapie in der Schwangerschaft erfordert die Achtsamkeit und Erfahrung des Therapeuten und eine sehr gute Vertrauensbasis zwischen Klientin und Therapeutin.

Auch nach der Geburt kann therapeutische Unterstützung sehr sinnvoll sein. Gerade Frauen empfinden nach wie vor viel Scham, wenn sich die „Muttergefühle“ nicht so recht einstellen und Traurigkeit oder Ängste zu viel Raum einnehmen. Nicht nur die hormonelle Veränderung nach der Geburt und traumatische Geburtserlebnisse können hierfür verantwortlich sein, sondern auch Gedanken und Sorgen, die in der Schwangerschaft zu wenig Raum hatten, können hier aufbrechen, um endlich gesehen zu werden. Auch wenn dem in der Nachsorge Beachtung geschenkt wird, fehlt oftmals ein schnelles und familienfreundliches Angebot.

Hier können Heilpraktiker für Psychotherapie (immer m/w) sehr wertvoll sein, denn die Erfahrung zeigt, dass eine zeitnahe Intervention oftmals die Eskalation verhindert und somit eine schnelle Stabilisierung möglich ist. Zur Überbrückung von Wartezeiten oder als Ergänzung zu konventionellen Methoden bieten Therapeuten aber auch speziell ausgebildete Familienhebammen, ein reiches Repertoire. Die Vernetzung zwischen Ärzten, Hebammen und Heilpraktikern ist an dieser Stelle sehr sinnvoll.

Nach meiner Erfahrung sollte die seelische Begleitung rund um die Geburt Teil der Vorsorge sein. Ich möchte jede Mutter, jeden Vater ermutigen, sich den eigenen inneren Themen zu stellen, für sich einzustehen und die beste Unterstützung zu suchen, die zu bekommen ist. Hebammen-, Doulas-, Schwangerschafts-, Flowbirthing- oder Hypnobirthingkurse können Teil dieser Begleitung sein. Ein Sprichwort sagt, dass es für das Aufziehen eines Kindes ein ganzes Dorf braucht, ich denke, das Gleiche gilt auch für das Elternwerden.

Als Mutter von fünf Kindern, Pädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie ist das Thema Familie ein Herzensthema, dem ich auch in meiner Arbeit mit meinem Angebot „Rund um Familie“ Raum gegeben habe. Meine Praxisräume befinden sich in einer Hebammenpraxis in Sankt Augustin bei Bonn, ich arbeite sehr flexibel, biete auch Hausbesuche sowie telefonische Akutsprechstunden an und bemühe mich um zeitnahe und familienfreundliche Termine.

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